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Digitale Talente sind knapp
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Nur ein Drittel der Wirtschaftsstudierenden und knapp die Hälfte der Techniker zählen zu den Digitals, den jungen Talenten mit besonders ausgeprägten digitalen Kompetenzen, so das Ergebnis des trendence Graduate Barometers 2017. Digitals haben zudem spezielle Vorlieben für den ersten Job: Beratungen und IT-Dienstleistungen sind die beliebtesten Branchen der Digitals für den Berufseinstieg. Der Handel und Ingenieurdienstleister hingegen können nur mit einem geringen Anteil an Bewerbungen von Digitals rechnen. Im Rahmen der Studie haben 12.000 abschlussnahe Studierende in Österreich über ihre Wunscharbeitgeber und -branchen abgestimmt. trendence hat für jeden der Top-Arbeitgeber berechnet, wie gut sie die digitalen Talente überzeugen.

Digitale Talente sind knapp

Der Wettbewerb der Arbeitgeber um die digitalen Talente ist hart. Die wenigen Digitals, die es gibt, stehen den Arbeitgebern nicht uneingeschränkt als Arbeitskräfte zur Verfügung. Digitals wollen doppelt so häufig ein Start-up gründen wie ihre Kommilitonen. Etwas mehr als ein Viertel der Digitals geht den Unternehmen so als potenzielle Mitarbeiter verloren. Alle anderen sind hart umkämpft: Sie haben wesentlich häufiger schon während des Studiums eine feste Jobzusage von einem Arbeitgeber als Non-Digitals. Das macht es vor allem für Arbeitgeber unattraktiver Branchen schwer, ausreichend digitale Talente zu rekrutieren.

Technik: Digitals ziehen IT-Dienstleister der Chemie- und Pharmaindustrie vor
Die Digitals mit technischem Studium suchen ihren Einstiegsjob am liebsten bei IT-Dienstleistungen und in der Elektrotechnik. Jeder dritte Digital möchte bei einem IT-Dienstleister arbeiten. Damit überzeugen die Arbeitgeber der Branche dreimal mehr Digitals als Non-Digitals. Eine ebenso gute Quote, wenn auch auf niedrigerem Niveau, hat die Konsumgüterindustrie. Sie überzeugt 11 Prozent der Digitals. Die Chemie- und Pharmaindustrie hingegen – bei den Non-Digitals mit Abstand beliebteste Branche – ist kaum gerüstet für die Digitalisierung. Nur ein Drittel der Bewerber zählt zu den Digitals. Im Maschinenbau verhält es sich ähnlich. Die schlechteste Digital-Quote haben die Ingenieurdienstleister. Nur jeder fünfte Bewerber der Branche ist ein Digital.

Wirtschaft: Digitale Talente wollen zu Beratungsunternehmen, nicht in den Handel
Die beliebteste Branche der Digitals mit wirtschaftswissenschaftlichem Studium ist die Beratungsbranche: 17 Prozent der Digitals wollen hier arbeiten. Damit sind die Beratungen für Digitals und Non-Digitals gleichermaßen attraktiv. Überdurchschnittlich viele Digitals sind von einem Job in der Konsumgüterindustrie und bei IT-Dienstleistungen überzeugt. 13 Prozent der Digitals suchen hier einen Job, aber nur sieben bis acht Prozent der Non-Digitals. Anders sieht es im Handel aus: Peek & Cloppenburg, dm, IKEA und Co. haben es bei den Digitals schwer. Nur jeder fünfte Bewerber im Handel gehört zur Gruppe der begehrten Talente. „Gerade in Zeiten mit steigender Bedeutung des E-Commerce sollte dieses Ergebnis den Handelsunternehmen zu denken geben“, warnt Bernhard Vierhaus, Country Manager Austria bei trendence. „Der Handel läuft Gefahr, nicht genügend digitale Talente zu finden.“ Positive Ausnahmen sind Hofer, aber auch Lidl und die Spar Gruppe. Sie schaffen es, überdurchschnittlich viele Digitals von sich als Arbeitgeber zu überzeugen.

Unternehmen brauchen digitale Talente in allen Abteilungen

„Die Absolventen, die aktuell die Hochschulen verlassen, sind Digital Natives. Aber das allein verrät nichts über ihre digitalen Kompetenzen. Doch genau die sind es, die Unternehmen in Zukunft brauchen – und zwar in allen Abteilungen, vom strategischen Management über die Entwicklung bis hin zum Marketing“, so Bernhard Vierhaus. „Nur mit Mitarbeitern, die digital denken und handeln und andere Mitarbeiter mitziehen und begeistern, sind Unternehmen für die Aufgaben gerüstet, die ihnen die zunehmende Digitalisierung stellt.“

Digitals sind die Highflyer unter den jungen Talenten

Digitals überzeugen nicht nur mit ihren besonders ausgeprägten digitalen Kompetenzen. Sie zählen auch darüber hinaus zu den Highflyern unter den Bewerbern. Sie haben mehr Erfahrung mit Kanban, Scrum, Big Data oder Design Thinking als die Non-Digitals, sie sprechen besser Englisch, können mehr praktische Erfahrungen vorweisen, engagieren sich häufiger im sozialen und politischen Bereich und sie sind belastbarer und leistungsbereiter. Außerdem sind sie eher bereit Führungsaufgaben zu übernehmen als Non-Digitals. Das macht sie so wertvoll für Unternehmen.

So attraktiv sind einzelne Arbeitgeber für Digitals

Für jeden der Top-Arbeitgeber in Österreich hat trendence errechnet, ob sie Digitals überdurchschnittlich gut oder weit unterdurchschnittlich überzeugen. Basis der Berechnung ist sowohl die Quote der Digitals unter den potenziellen Bewerbern als auch die Marktstärke des Arbeitgebers insgesamt. Die vollständige Übersicht ist ab sofort unter www.trendence.at abrufbar.

Über die Studie

Das trendence Graduate Barometer ist eine repräsentative Studie unter 12.000 abschlussnahen Studierenden von 31 Hochschulen in Österreich über ihre Wunscharbeitgeber und Karrierepläne. Die Daten wertet trendence nach Fächergruppen aus. Die Rankings der beliebtesten Branchen zeigen ein Stimmungsbild der Absolventen und ihre Präferenzen bei der Arbeitgeberwahl. Sie sind ein Indikator dafür, welche Branchen mit zunehmendem Fachkräftemangel zu kämpfen haben und welche Branchen aus einem vollen Pool an Bewerbern schöpfen und die für sie passenden Talente herausfiltern können. In der Branchenauswertung sind nur Branchen berücksichtigt, die mehr als fünf Prozent der Absolventen attraktiv finden. Zur Ermittlung der Digitals hat trendence einen Kriterienkatalog aus 17 Faktoren erstellt, von einfachen bis hin zu komplexen digitalen Kompetenzen. Absolventen zählen dann zu den Digitals, wenn sie mindestens sieben der Kriterien erfüllen.